Im Alltag Kolleginnen, an der Zebi Konkurrentinnen
Im Sommer haben Ladina Birchler und Alina Kälin ihre Lehre als Fleischfachfrauen Feinkost und Veredelung EFZ erfolgreich abgeschlossen. Nun wartet die nächste Herausforderung auf sie: die Berufsmeisterschaft an der Zebi. Dafür trainieren sie zusammen, obwohl sie dort Konkurrentinnen sind.
Text: Manuel Huber / Bilder: Christoph Arnet
Erschienen im Zebi Magazin 2026, 31. Oktober 2026
Ihr Messer ist scharf. So richtig scharf. Daher ziehen Ladina Birchler und Alina Kälin eine Stechschutzschürze und -handschuhe an. Sie trainieren das Ausbeinen einer Kalbsschulter. «Das Fleisch vom Knochen zu lösen braucht Kraft», sagt Ladina Birchler und setzt zum Schnitt an. Das «Ausbeindlen», wie sie es nennen, ist eine der Wettbewerbsaufgaben an der Berufsmeisterschaft der Fleischfachleute, organisiert vom Schweizer Fleisch-Fachverband SFF. «Das war nicht Teil unserer Ausbildung», erklärt Alina Kälin, «daher müssen wir es speziell trainieren.» Am Wettbewerb müssen sie die Aufgabe in 25 Minuten lösen. Noch brauchen sie dafür eine Stunde und unterstützen sich gegenseitig mit Wissen und Tipps. «Alina, dreh die Schulter um, dann geht es besser.» Sie führt den Schnitt aus. «Es ist cool, jemanden an der Seite zu haben, der dasselbe durchmacht. Es ist immer ein Miteinander, nie ein Gegeneinander», sagt Alina Kälin mit einem Schmunzeln. Wird das so bleiben?
«Es ist cool, jemanden an der Seite zu haben, der dasselbe durchmacht. Es ist immer ein Miteinander, nie ein Gegeneinander.»
Alina Kälin
Schon lange ein Team
Für die beiden 19-Jährigen ist es selbstverständlich, dass sie zusammen trainieren. Sie wuchsen beide in kleinen Dörfern in der Region Einsiedeln auf, waren zusammen im Blauring und machten dieselbe Lehre im gleichen Betrieb – in der Dorfmetzg Schnidrig in Einsiedeln. Da können sie nach ihrer Ausbildung auch beide bleiben. Zudem sind beide begeisterte Sportlerinnen: Ladina Birchler spielt beim FC Einsiedeln, Alina Kälin trifft man im Turnverein und auf der Skipiste an. Während der Lehre nahmen sie zudem an der Meisterschaft im Fleischplattenlegen teil. Eine gute Erfahrung, die nun hilft, besser mit dem Druck umzugehen. Und jetzt sind sie die Einzigen aus der Zentralschweiz, die an der Berufsmeisterschaft der Fleischfachleute teilnehmen. Das alles verbindet und motiviert. Dazu kommt die Unterstützung ihres Chefs Roman Schnidrig: «Die Berufsmeisterschaft ist eine extrem wertvolle Erfahrung. Darum unterstützen wir Ladina und Alina gerne mit Know-how und Zeit, auch wenn es für uns im Betrieb ein Mehraufwand ist.»
Aha-Erlebnis an der Zebi
Vor vier Jahren waren die beiden jungen Frauen an einem anderen Punkt. Die Berufswahl stand an. «An der Zebi besuchte ich zufällig den Stand des Fleisch-Fachverbandes und sah, wie sie wursten und Wienerli im Teig machen. Ich wusste nicht, dass dies ein Beruf ist», erinnert sich Ladina Birchler. Nach diesem Aha-Erlebnis durfte sie bei der Dorfmetzg Schnidrig schnuppern und war sofort begeistert. «Unsere Fachrichtung Feinkost und Veredelung ist sehr vielfältig und kreativ.» Dazu gehören unter anderem das Herstellen von pfannenfertigen Produkten wie marinierte Grilladen oder Fertiggerichte, aber auch alle Produkte im Teig oder das Abpacken von Wurstwaren. Sie gestalten zudem die Platten der Ladentheke und sind im Verkauf tätig. «Dazu gehört auch, dass wir die Kundschaft beraten und Kochtipps geben», sagt Ladina Birchler – ein anspruchsvoller und spannender Teil ihrer Tätigkeit. Oft sind auch Ausdauer und Kraft gefragt. Man ist immer auf den Beinen und hat manchmal lange Tage, etwa vor Weihnachten, damit alle ihr Fondue Chinoise bei Kerzenlicht geniessen können.
«Das ist mein Beruf»
Alina Kälin war ebenfalls in der Dorfmetzg Schnidrig schnuppern und wusste sofort: «Das ist mein Beruf.» Auch sie schätzt die Kombination von handwerklicher Tätigkeit und Kundenkontakt mit Beratung sowie das sinnlich-kreative Arbeiten wie das Anrichten von Fleischplatten. Was Alina Kälin immer wieder hört: «Was, du bist Metzgerin? Das hätte ich nicht gedacht.» Dann erklärt sie, dass sie «Metzgerin im Laden» sei. Das ist die Kurzantwort für die Ausbildungs-Fachrichtung Feinkost und Veredelung. Weitere Fachrichtungen sind die Gewinnung und die Verarbeitung von Fleisch. Hierzu gehören etwa das Schlachten, Zerlegen, Wursten, Pökeln und Salzen.
«Die Teilnahme an den Berufsmeisterschaften ist eine einmalige Chance.»
Ladina Birchler
Spontaner Entscheid
Die Lehrabschlussprüfung haben beide mit Bravour bestanden. Das öffnete ihnen die Türe für die Berufsmeisterschaft an der Zebi. Aber weshalb schon wieder eine neue Challenge? «Zu Beginn der Lehre mussten wir ein Ziel formulieren», erinnert sich Ladina Birchler. «Ich sagte spontan: Teilnahme an den Berufsmeisterschaften.» Sie hielt Wort und meldete sich nun an. «Alina wollte ja zuerst nicht …», fängt Ladina an, «… aber dann sagte ich doch spontan zu», beendet Alina Kälin den Satz. Wie so oft in diesem Gespräch. Sie sehen es als «einmalige Chance», um sich beruflich und persönlich weiterzuentwickeln und sich mit anderen Berufsleuten zu vernetzen. Auch diesen Weg gehen sie gemeinsam und würden sich den Erfolg gegenseitig gönnen. «Am coolsten wäre, wir würden auf demselben Platz landen», sagen sie im Chor. Man glaubt’s den beiden. Keine Spur von Neid oder Konkurrenzdenken – sie ziehen das gemeinsam durch. Als Team, nicht als Gegnerinnen.
Unser Weg
Fleischfachfrau Feinkost und Veredelung EFZ
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Sekundarschule
An der Zebi
Schweizer Berufsmeisterschaften der Fleischfachleute
Während drei Tagen messen sich die besten 15 jungen Berufsleute der Schweiz. Schau vorbei und lass dich von ihrem Können inspirieren.